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Smartwatch für Kinder: sinnvoll oder nicht?

Von Daniel Weihmann · aktualisiert am 14.09.2026

Kurz gesagt

  • Kinder-Smartwatches telefonieren über eine eigene SIM, zeigen den Standort und haben eine SOS-Taste. Ein Smartphone braucht das Kind dafür nicht.
  • Uhren mit Abhörfunktion sind in Deutschland verboten (§ 8 TDDDG). Wer eine besitzt, soll die Funktion unbrauchbar machen.
  • Sicherheitslücken sind bei diesen Uhren kein Einzelfall. Eltern können die Sicherheit selbst kaum prüfen und sind auf unabhängige Tests angewiesen.
  • Fachstellen raten: Ortung nur mit Wissen des Kindes und am besten nur für echte Notfälle. Viele Schulen schränken Smartwatches ein.

Eine Smartwatch wirkt wie der perfekte Kompromiss: Das Kind ist erreichbar, du weißt im Notfall, wo es ist, und TikTok, YouTube und Klassenchat bleiben noch draußen. Das kann für eine Übergangszeit tatsächlich passen. Es gibt aber ein paar Punkte, die du vor dem Kauf kennen solltest, rechtlich, technisch und pädagogisch.

Was Kinder-Smartwatches können

  • Telefonieren über eine eigene SIM oder eSIM, meist nur mit Nummern, die du in der Eltern-App freigibst.
  • Nachrichten als Text, Emoji, Foto oder Sprachnachricht, die du über die Eltern-App beantwortest.
  • Ortung per GPS und Geofencing, also eine Nachricht, wenn die Uhr einen festgelegten Bereich verlässt.
  • SOS-Taste, die nacheinander gespeicherte Nummern anruft.
  • Schulmodus, der die Uhr zu festen Zeiten stumm schaltet.
  • Meist kein offenes Internet, kein Browser, keine Apps wie WhatsApp oder TikTok.

Zum Gerät kommt ein monatlicher Mobilfunktarif, bei manchen Herstellern auch ein Abo für die App. Stiftung Warentest nannte 2023 für die getesteten Uhren Gerätepreise zwischen 120 und 189 Euro. Prüfe die laufenden Kosten vor dem Kauf beim Hersteller.

Verboten: Uhren mit Abhörfunktion

Im November 2017 hat die Bundesnetzagentur Kinderuhren mit Abhörfunktion als verbotene Spionagegeräte eingestuft. Das gilt bis heute, die Rechtsgrundlage ist inzwischen § 8 TDDDG. Gemeint ist eine Funktion, bei der eine in der App eingetragene Nummer die Uhr anrufen und unbemerkt mithören kann, was um das Kind herum gesprochen wird, also auch Lehrkräfte, Mitschüler und Freunde.

Wer solche Uhren herstellt oder verkauft, macht sich strafbar, auch Werbung damit ist verboten. Für Eltern, die eine besitzen, sieht das Gesetz keine eigene Strafe vor, der Besitz ist aber trotzdem nicht erlaubt. Die übrigen Funktionen wie Ortung oder Telefonie sind nicht betroffen.

Datenschutz und Sicherheit

Kinder-Smartwatches sammeln besonders sensible Daten: den Standort eines Kindes, oft über Wochen gespeichert, dazu Sprachnachrichten und Fotos. Genau hier haben Untersuchungen immer wieder Probleme gefunden:

  • 2017 zeigte der norwegische Verbraucherrat, dass Fremde bei mehreren Uhren mit wenigen Schritten den Standort sehen, das Kind abhören oder einen falschen Standort vortäuschen konnten.
  • AV-TEST fand bei sechs Kinderuhren, dass sich Anrufe unter einer gefälschten, vertrauten Nummer tarnen ließen und mehrere Uhren Daten unverschlüsselt übertrugen.
  • Ende 2025 stellten Forschende der TU Darmstadt beim Chaos Communication Congress Lücken bei einem aktuellen Modell eines großen Herstellers vor: Mit einem aus einer Uhr ausgelesenen Schlüssel waren Chats, Bilder und Sprachnachrichten aller Uhren dieses Typs zugänglich, und Standorte ließen sich manipulieren. Der Hersteller kündigte ein Update an.

Die Forschenden der TU Darmstadt ziehen daraus einen nüchternen Schluss: Eltern können die Sicherheit einer Uhr selbst nicht prüfen und sollten sich auf unabhängige Tests stützen.

Die wichtigsten Gerätearten

ArtWas du wissen solltest
Spezielle Kinder-Smartwatch mit SIMEigene SIM oder eSIM, Eltern-App mit Kontaktliste, Ortung, SOS und Schulmodus. Kein Smartphone nötig. Die Qualität schwankt stark: Bei Stiftung Warentest 2023 überzeugten nur drei von acht Uhren
Apple Watch für deine KinderEine Apple Watch mit Mobilfunk, die du mit deinem eigenen iPhone einrichtest. Das Kind braucht kein iPhone. Verwaltung über die Familienfreigabe mit Schulzeit, Bildschirmzeit, Kontakten und Standort. In Deutschland laut Apple mit Telekom, Vodafone und BetterRoaming. Welche älteren Modelle unterstützt werden, vorher bei Apple prüfen
Galaxy Watch und andere Wear-OS-UhrenDie eigenständige „Galaxy Watch für Kinder“ gibt es laut Google derzeit nur in den USA. In Deutschland lässt sich eine Wear-OS-Uhr nur als Zubehör zum Smartphone deines Kindes über Family Link verwalten, ist also keine Alternative zum ersten Handy

Konkrete Modelle empfehle ich hier bewusst nicht. Wie gut eine Uhr ortet und wie sicher sie ist, ändert sich mit jedem Update, und Tests sind schnell veraltet.

Smartwatch und Schule

Viele Bundesländer haben die private Nutzung digitaler Geräte an Schulen eingeschränkt, und Smartwatches zählen oft ausdrücklich dazu, zum Beispiel in Hessen, Baden-Württemberg, Sachsen, Schleswig-Holstein und Brandenburg. Meist bleibt das Mitbringen erlaubt, die Uhr muss aber im Unterricht aus oder stumm sein. Nordrhein-Westfalen weist ausdrücklich darauf hin, dass Mithörfunktionen Persönlichkeitsrechte verletzen können. Frag vor dem Kauf in der Schule nach.

Braucht mein Kind das wirklich?

klicksafe und SCHAU HIN! sehen die Ortung kritisch, und ich teile diese Einschätzung:

  • Selbstständigkeit braucht Freiraum. Kinder lernen, allein zur Schule zu gehen, Umwege zu nehmen und sich auch mal zu verlaufen. Ständige Ortung kann signalisieren: Ich traue dir das nicht zu.
  • Die Sicherheit ist teilweise trügerisch. Die Ortung ist nicht immer genau, und legt dein Kind die Uhr in der „sicheren Zone“ ab, meldet das Geofencing nichts.
  • Ortung nur mit offenen Karten. SCHAU HIN! rät, sie nur in Absprache mit dem Kind und für echte Notfälle zu nutzen und die Uhr gemeinsam einzurichten.
  • Erst fragen, warum. Will dein Kind die Uhr, weil alle eine haben, oder für eine bestimmte Funktion? Manchmal reicht eine einfache Digitaluhr, und für den Schulweg hilft Üben mehr als Tracking.

Eine Smartwatch ist nach SCHAU HIN! keine Dauerlösung. Irgendwann kommt die Frage nach dem Smartphone trotzdem, dazu mehr auf der Seite Handy für Kinder. Und wenn du nur den Standort teilen willst: Das geht auch mit dem Handy, siehe Apple Familienfreigabe und Family Link.

Menüpfade und Angaben zuletzt geprüft am 14.09.2026. Hersteller ändern Menüs und Altersgrenzen regelmäßig. Wenn bei dir etwas anders aussieht, schreib mir bitte (Kontakt).

Quellen